“my 7 cents”: AndReas Wende übeR die nötige TRanspaRenz in deR ImmobilienbRanche

Andreas Wende, CEO der Arena Gruppe und COO der weltweit führenden Immobilienberatung NAI Apollo, hat über 20 Jahre Erfahrung in der Immobilienbranche – als Nutzer, Eigentümer, Corporate, Berater und Dienstleister.

Außerdem ist er Teil des Verwaltungsrats von Allthings und beteiligt sich ehrenamtlich als Vorsitzender des bundesweiten Ausschusses Büro des ZIA.

Was Andreas zur Digitalisierung in der Immobilienbranche zu sagen hat, verrät er uns diese Woche in unserer Reihe “my 7 cents”.

Was hältst Du für maximal unterschätzt im Rahmen der Digitalisierungsdebatte im Immobilienumfeld?

Wie deutlich und intensiv sich die Digitalisierung auf Kosten, Erlöse und Prozesse auswirken kann. Die Digitalisierung bietet der Immobilienbranche erhebliche Chancen bestehende Geschäftsmodelle zu optimieren, sei es hinsichtlich der Qualitätssteigerung oder in Bezug auf die Sicherung von Kunden und Cash Flow. Zudem sind die Kunden bereits in beinahe allen anderen Bereichen digital. Der Medienbruch zwischen Eigentümer, Verwalter, Kunden, Mieter und Dienstleistern ist erheblich und muss zwangsläufig geschlossen werden, um den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden.

Was hältst Du für maximal überschätzt im Rahmen der Digitalisierungsdebatte im Immobilienumfeld?

Die Bereitschaft Transparenz und Veränderung zu wollen. Einige Marktteilnehmer haben ihr Geschäftsmodell auf Intransparenz gebaut. Deswegen ist die verbale Veränderungsbereitschaft auch oft weitaus höher als die reale Bereitschaft auf die neuen Entwicklungen zu reagieren. Außerdem halte ich reine Datenräume und Datenbanksysteme, die nicht lernen, nicht intelligent sind, nicht analysieren, für überschätzt. Diese werden in nicht allzu ferner Zukunft schnell durch smartere Lösungen ersetzt.

Welche Berufe wird es in 5-10 Jahren in der Immobilienbranche nicht mehr geben? Welche Berufe werden neu geschaffen?

Die Berufsbilder des Property Manager und Asset Manager werden sich deutlich verändern. Die beiden Berufe werden zusammenwachsen und zunehmend digital. Die Vergütung wird dadurch anhand neuer KPIs bemessen und mehrwertstiftende Kundenthemen treten in den Fokus. Weiterhin werden Makler gleich welcher Assetklasse im kleinen bis mittleren Mietsegment weitestgehend durch digitale Lösungen ersetzt werden. Ebenso werden digitale Bewertungslösungen den Beruf der Bewerter teilweise ersetzen und deutlich verändern. Neu geben wird es Digital Manager, die neue Lösungen für Kunden entwickeln werden, abgeleitet aus den erhobenen Daten.

Wenn Du Immobilieneigentümer wärst: was würdest Du mit Blick auf Digitalisierung als Erstes tun?

Die Prozesse und Kommunikationswege zwischen allen beteiligten Parteien und Medien analysieren. Mit dem Ziel komplette Transparenz über die Ist-Situation zu schaffen, inklusive dem Aufdecken sämtlicher Medienbrüche. Ableitend daraus definiere ich den optimalen Soll-Prozess bzw. lasse ihn definieren mit Hilfe neuer digitaler PropTech Tools und Experten. Im Anschluss starten wir direkt die Projekte zur Prozessoptimierung, ich binde alle Stakeholder von Anfang an mit ein und übergebe meinen jungen, wilden und motivierten Mitarbeitern die Freiheit und die Verantwortung die digitalen Innovationsbereiche voranzutreiben.

Wärst Du bei einer Behörde tätig, und könntest etwas ändern, damit die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft schneller voranschreitet: Was wäre das?

Einen Chief Digital Officer der Bundesregierung einführen, der die Digitalisierung der wesentlichen Prozesse der Wirtschaft – mit der Immobilienbranche als ein Part davon – voranbringt. Weiterhin würde ich für komplette Transparenz sorgen und das Grundbuch sowie Transaktions- und Vertragsprozesse digitalisieren. Eine Finanzierungsdatenbank gibt transparenten Aufschluss über die verschiedenen Finanzierungsoptionen. Ein Transparenzgesetz verpflichtet alle Branchenteilnehmer zu deutlich mehr Transparenz.

Bei welcher Firma – Allthings und Deine eigene ausgeschlossen – würdest Du gerne mal eine Woche als Insider mitlaufen?

Da habe ich gleich einige Ideen. Amazon, Tesla, Google Innovation Lab – von den innovativsten Unternehmen der Welt möchte ich lernen. Die Innovationsentwicklung der Automobilindustrie fasziniert mich ebenfalls – bei BMW, Daimler und VW laufe ich gerne mal mit. Bei der Gelegenheit würde ich mich gerne mit Johann Jungwirth austauschen. Auch bei REWE oder Edeka schaue ich mir gerne an wie Innovation in der Lebensmittelbranche gedacht und umgesetzt wird.

Könntest Du nochmals auf grüner Wiese beginnen und hättest unbeschränkt viel Geld zur Verfügung: was für ein Unternehmen würdest Du gründen?

Da fallen mir gleich vier spannende Ideen ein:

1. Airbnb für Büros, Retail, Logistik

2. Ein weltweite Digitalisierungsberatung mit dem Mix der Senior Practice Experts und “jungen Wilden“

3. Digital Experts für Entwicklungsländer

4. Eine qualitätsgesicherte, kostenlose, werbefreie Plattform für Eigentümer und Nutzer für Transaktionen, Mietgesuche, Vermietungen, Ankäufe, Verkäufe und Finanzierungen

Autor: Stefan Zanetti

Quelle: All Things

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